Monatsarchiv: Januar 2011

schlechtes E

Meine Nase ist gebrochen und ich habe Blut gekotzt heute Mittag. Mein Körper ist voller kleiner und mittelgroßer Wunden und blauer Flecken, keine Erinnerung woher genau. Ich bin in Als Bett aufgewacht, obwohl ich mich erinnere auf dem Boden einzuschlafen, den Kopf auf einer IKEA-Tasche voll dreckiger Wäsche.

Erst habe ich mich mit Brombeere gestritten. Depression, ausrasten. Aber wir haben uns wieder versöhnt. Dann bin ich losgegangen. Habe Michael versetzt. Aber ich konnte ihn nicht anrufen. Mein Handy ist in einem weniger ausgeglichenen Moment gegen die Wand geflogen. Zwei Hälften jetzt, die mit dem Bildschirm habe ich immer noch nicht gefunden.

Also Churchill, Maggie und Rapier im Pub treffen, Lauder’s. Zwei doppelte GT, angeblich gibts im anderen Wohnheim Gras und gute Pillen. Hin, aber der Typ macht die Tür nicht auf. Shit! Und unser Stammdealer ist übers Wochenende nach Liverpool gefahren. Asif und Nasir saufen. Mit ihnen die Party auf ground floor auschecken. Auch die Franzosen sind da, ich glaube die wohnen hier. Alise und die wunderschöne Fela sind beide rotzevoll. Ich überlege kurz, das auszunutzen. Naja, es zumindest zu versuchen. Fela haut mich einfach um. Ich denke an Brombeere. An den Streit. Ne, das ist es nicht Wert. “Nicht fremdficken”, schreibe ich auf einen imaginären Zettel und klebe ihn in mein Hirn. Genau darüber haben wir nämlich gestritten.

Alle Richtung Bamboo, scheiß Club, aber heute Eintritt frei, Drinks 1£, alle wollen da hin. Die furchtbare RnB-Chart-Scheiße, die da läuft, kann ich zu diesen Bedingungen schon aushalten. Ordentlich einsaufen mir Churchill und Rapier, circa 25£. Dann lauft “Can’t touch this”, kurz dancen, dann Richtung Sleazy. Auf dem weg lerne ich zwei witzig-schräge Artschool-Mädels kennen. Die kommen instant mit mir mit. Dort: Großartige Musik, funkiger Techno mit viel 808, zwei Typen machen das ganze live, später deeper Dubstep a la Breakage. Raste voll aus und tanze mit der Dickeren. Dann hol ich mir ein Bier, an der Bar steht ein Typ der aussieht wie Dude Lebowsky. Kommen ins Gespräch weil ich im weg bin, er sprich recht gut deutsch, sein Vater ist aus Hamburg, er fragt ob ich einen von seinem Zeug bauen will. Also los, wundervolles squidgy black*. Raus zum Rauchen, Mannmannmann, das fährt gut ein. Der Dude fragt, ob ich Audiolith Records kenne, er liebt Frittenbude, sehr witzig alles. Wieder rein, weitertanzen, mit den Mädels, bis zum rauswurf. Fuck, 3 Uhr, wie immer zu früh. Dann draußen rauchen, mit zwei Typen, die Mädels scheinen sie zu kennen. Machen mir E klar, ziemlich teuer, kleine Blaue für 10£. Und rein damit, brr, bitter. Daran werde ich mich nie gewöhnen, I prefer to sniff.

Ich vollführe silly walks zur Afterhour bei den Mädels, die zwei Typen kommen auch mit. Wohnen eh fast auf dem Weg heim, passt. Süße Katze. Brauche Wasser, auf dem weg zum Waschbecken falle ich fast aufs Maul. Aaah. Wasser tut gut. Das E verspuhlt mich aufs übelste. Immer wieder kurzzeitig völlig planlos, allen wird unscharf, schwarz-weiß. Fühle mich gut, wie ein verwesendes Fischstäbchen auf einem Ozean aus Watte. Warum läufst du immer vor mir weg, blöde Katze.

Als nächstes erinnere ich mich, wie ich aufspringe und kotzen muss. Komisch: Ich ziehe meine Jacke an und laufe raus. Falle die Treppe runter. Aus der Tür und kotzen, besser!

Ich habe nur lückenhafte Erinnerung an den Nachhauseweg. Wache in einem Busch auf und schaue die Lichter an. Wunderbar. Das Fischstäbchen ist jetzt ganz aufgelöst, nirgendwo und überall.

Als ich ins Wohnheim komme und den Computer ausschalten will, sehe ich, das “Big Gay Al” noch bei Skype online ist. Läd mich zum versumpfen ein, keine Ahnung wie ich in dem Zustand noch sinnvoll tippen konnte. Also rüber, mit Maggie und Rapier zusammen hängen wir wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Straight to Oslo. Ich schlafe auf dem Boden ein, so gegen halb 8. Zerstört.

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*squidgy black ist der englische Ausdruck für Knet-Hasch oder schwarzer Afghane.

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Eingeordnet unter alk, chemie, marijuhana

Identität

Wo sind all die Spinner hin? Die Katzenladys, die auf der Straße laut Selbstgespräche führen, die Schnorrer. Druffies, die solange Geld sammeln, bis sie sich ne Schachtel Kippen und ne Flasche Schnaps leisten können, die keine andere Wahl haben als bis zum nächsten Schuss das Gespött der Fußgängerzonen des Westens zu sein. Sie sind verschwunden. Vielleicht nur ein Beigeschmack des Winters.

Die meisten Menschen sind überhaupt sehr normal. Ich finde das traurig, denn das lässt mich alleine stehen. Ich habe mich nie normal fühlen können, nicht das ich es früher nicht wollte, es ging nicht. In arroganten Momenten würde ich sagen, diese Unfähigkeit zur Anpassung hat mich vor Verdammung zur unkritischen Mittelmäßigkeit bewahrt, zur ewigen Contenance, zum Anti-Exzess. Es fühlt sich aber an wie hinter einer Glasscheibe sitzen im Zoo, und die vorbeilaufende Familie zwar in mildem Interesse stehenbleibt, aber wegen den Joint-Stummeln, den leeren Bierdosen und dem Warnschild nicht näher kommt. “Achtung, steckt sich manchmal dinge in den Arsch und genießt es!”

Was bleibt ist ein merkwürdig dumpfes Gefühl nicht dazu zu gehören. Trotzig: “Will ich auch gar nicht. Mit denen habe ich nichts gemein.”

Also weiter auf der Suche nach den Leuten aus Airens Blog, den realen Mr. Dukes, dem nächsten Andy Warhol und Jimi Hendrix. Denen, die gute Musik mögen, Liebe, Freiheit, Kunst, Drogen. Denen, die wissen, warum ich in dieser Welt nicht glücklich sein kann. Um endlich identisch zu sein, was nicht passieren wird.

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Eingeordnet unter gedanken, so gut wie nüchtern

carried away

Eigentlich wollte ich nur ein längeres Lautsprecherkabel kaufen. So hat es angefangen. Und noch zu News and Gadgets, wegen Longpapers. Al begleitet mich. Dann noch die anderen in irgendeinem Pub treffen. The Goose heißt der Laden. Union Street. Die schon bei Burger und Bier. Also dazu. Mein erstes Bier seit ich nicht mehr in Deutschland bin, bestelle auch einen Burger. Irgendwann weiß keiner mehr wie viel er schon hatte, außer Rapier, der bezahlt. Zumindest für Maggie und Churchill. Wir führen Gespräche über den desolaten Zustand der Welt in der wir leben sollen. Churchill ist überraschender weise begeistert von meinem Geschwätz vom Cyberkommunismus. Und ich dachte er währe so ein neo-liberaler Wichser. Fein, sowas.

So gegen 9: pleite und gut tipsy. Jetzt nach Hause. Joint rauchen, chillen, meinen alle. Aber irgendwie wollten wir’s dann doch noch wissen. In ne andere Bar, Shots 1₤ each. Werden aber nicht bedient, wegen ausländischer Ausweise und Als Fake-ID. Shots sind aber schon geordert, also 7 Stück für Rapier und Maggie. Das mit den Ausweisen passiert hier öfter. Fotzen. Nächster Laden, Revolution. Schnieker Scheißladen, alles irgendwie auf russisch designed, mit pseudo-kyrillischer Schrift und “I love Vodka” an den Wänden. “Far from revolutionary”, meint Al beim rausgehen. Aber echt, ich hasse so was.

Letzte Idee: Flat 0/1, war ich noch nie, wollte aber schon ewig mal hin… Also rein da. Vodka-Mixer 1.50₤, um so besser. Geile Bar, erste Assoziation ist das Altenheimzimmer meiner toten Uroma, dazu läuft Kool and the Gang. Wir hauen uns aufs Bett und lernen zwei Mädels kennen, die eine ist der Wahnsinn. Sie findet mich auch nicht schlecht, glaube ich. Wir labern mit ihr und ihrer Freundin Becky. Sie heißt Theresa, kurz Res. Ab hier wird es merkwürdig. Runden bestellen, Vodka-Cranberry für mich, Als Bruder ist irgendwann dazu gekommen. Er steht auf Becky. Scheißt sich gar nix und verkackt voll.

Raus zum rauchen mit den zwei Mädels. Ein Typ versucht die Absurdität der menschlichen Existenz durch das Zertrümmern einer Paprika zu beweisen, nervt aber bald. Wieder rein, dancen, erst mir Maggie und Rapier, dann mit Res. Scheiße, die kann tanzen. Es geht aber auch bei mir ab wie Sau. Alles sehr funky hier, das geht runter wie heiße Milch mit Honig. Überlege, sie gerade raus zu fragen, ob ich sie küssen darf. Mehr will ich gar nicht. Normal sehe ich Frauen die mir gefallen an und denke an Sex. Sie will ich nur weiter ansehen. Ihre roten Locken gefallen mir, und wie sie im Takt wippen. “Can’t touch this”, Ginger Kid.

Wo sind eigentlich alle? Die sind schon vor Ewigkeiten aufs Klo. Res und ihre Leute packen es. Jetzt fragen! Aber was? Ich weiß ja nicht genau was ich will. Nicht meine Bezieung zu Brombeere versauen. Dieses Mädchen küssen, noch ein bisschen ansehen, tanzen, reden, noch was trinken. Scheiß-Dilemma. Ich ringe mich zu einem Abschiedskuss auf die Backe durch. Sie blickt zu mir auf und lächelt, Glücksflash! Scheiße, so gut habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt, kribbelig. Nochmal winken. Byebye.

Rapier kommt auf mich zugewankt. Faselt von M-Kat*. Scheiße, Ja! Das währe jetzt geil, mehr Liebe, reden, eine Hand halten. Wir verlassen den Laden. Rapier hat schon gut was gezogen auf dem Klo. Wir nehmen die Leute mit dem M-Kat ins Wohnheim, a cheerful lot. Schaffen es irgendwie, an die 20 sympathische Druffies an der Security vom Wohnheim vorbei zu schleusen. Rede aber eigentlich nur mit einem, der heißt Mark, will gerne einen peizen. Also gebaut. Im Kopf bei Res, bei Brombeere, bei Res. Ohne Drogen würde ich echt wahnsinnig. Ich biete Mark den Joint an, als Tausch gegen eine Nase. “Nö”, meint der und ich denke nur, “So ein Arschloch”. Dann drückt er mir etwa ein Gramm Pulver in die Hand und meint, er müsse mal runterkommen, nach drei Tagen. Eine ganze Tüte ist ihm aber zuviel, er will nur anrauchen, ich will gar nicht, er soll das mit Al ausmachen. OK, lovely! Also rein damit und auch für die anderen ne Line. Verrückte Fremde feiern in der Küche, leicht bekleidete Mädels und leicht siffige Typen. Alle drauf wie Epps. “Gute Menschen”, sagt die Droge in meinem Hirn. Irgendwie surreal.

Kennt ihr diese Momente, in denen man einfach weiß, dass die Welt nicht schlecht sein kann. Das es keine Götter und keinen Himmel gibt, alles großartige und liebevolle in der Welt nur eine 5cm lange Linie weißen Pulvers auf der Hülle von Pantera’s “Cowboys from Hell” entfernt ist. Da gebe ich mir gleich noch eine und küsse Rapier. Es fühlt sich gut an. Harmonie, “zu Gast bei Freunden” denke ich merkwürdigerweise. Ein paar Leute aufwecken, sie einfach teilhaben lassen an diesem irren High. Fick dich weg, Melancholie. Freunde, tanzen.

Ich liebe dich, Welt. Ich liebe dich, Brombeere. Und Res? Das was heute lief war genau richtig. Hat mich aus dem beschissenen, selbsterschaffenen Jammertal geholt. Denke bei der letzten Nase noch mal an den Kerl mit der Paprika. Wir alle lachen. Die Welt ist doch wunderbar. Zumindest bis ich wieder runter komme.

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*M-Kat ist die im UK gängigste Bezeichnung für 4MMA, oder Mephedron, einer Designerdroge aus Israel. 4MMA ist ein Amphetamin, und in der Wirkung ähnlich wie MDMA, jedoch meist billiger und reiner, aber mit völlig unbekannten Langzeitwirkung und erst seit Dezember 2009 in der EU illegal.

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