Archiv der Kategorie: so gut wie nüchtern

ein Vorbild

Ich schlage die Zeit tot und genieße es. Die deutschen Worte gehen langsam verloren, vielleicht schreibe ich demnächst mal auf Englisch.

Der Fuchs, der gegenüber in den Schuppen eingezogen ist, fasziniert mich. Er lebt ein Leben, von dem ich nur träumen kann, a urban gypsy, I suppose. In den Tag hinein, von der Hand in den Mund, heute hier, morgen dort. Ohne den Käfig der Vernunft, der mich auf Spur hält, auf dem Weg zum gesteckten Ziel: Geld verdienen, Täglich zur Arbeit gehen, vielleicht Kinder. Der Weg dahin ist nicht langweilig, es gibt genug Abzweigungen, aber hinter den glatten Ziegelmauern aus Erwartungen, die an die Straße grenzen, kann man die Wildnis sehen, wenn man hoch genug springt: Blumenwiesen, Berge, schäbige Vorstadtgassen voller Müll.

All das interessiert den Fuchs nicht, er sucht Essbares, spielt in dem Haufen ausrangierter Bürostühle, fickt, wenn es einmal im Jahr Zeit dazu ist, alles Instinkt. Aber wir, wir machen Pläne, studieren, flicken Hosen, rauchen Gras. Träumen. Lieben. Ich glaube nicht, das der Fuchst das kann. Währe ich gerne wie er?

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Reiseerinnerung

Ich kann das Torffeuer riechen, als stünde ich an dem Ort, an den ich gerade denke, kann den Hund bellen hören, vor dem du dich immer so gefürchtet hast. Kann unser absurdes Zimmer in diesem absurden Hostel vor meinen Augen sehen, deinen klatschnassen Körper, wie meinen ebenso klatschnassen Körper umarmt, deinen Kuss auf meinen Lippen…

Und ich kann die Musiker im Pub spielen hören, die leicht verstimmten Geigen improvisieren, den hinkenden Alten singen, paddy’s green shamrock shore. Ich denke an dich, und an den friedlichsten Ort, den ich je gefunden habe, in den ich mich verliebt habe, wie in dich, eigentlich auf den ersten näheren Blick, not at first sight, but almost. Und ich denke ans nacktbaden an diesem einsamen Strand auf South Uist, weißer Sand und türkisblaues Wasser, zu ficken in der eiskalten Nordsee.

Unfassbar, wie die Zeit vergeht: Fast vier Jahre du und ich, wir beide. Unfassbar, wie sich Dinge verändern, Rahmenbedingungen, Wohnorte, Lebensweisen, aber das zwischen uns das bleibt. Du bist weit weg, das macht mich manchmal traurig, manchmal wütend, hilflos. Du an meiner Seite, das währe schöner.

Und ich erinnere mich an die alte Frau, ebenda, in diesem wunderschönen Dorf in Donegal, die sagte: “Everybody needs something to dream of.”

Wie wahr.

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business as usual

Ein majestätischer Anblick, wie eintausend Plastiktüten vom Wind aufgewirbelt werden, wie sie kurzzeitig eine Wolke bilden, hoch über den Köpfen der Polizisten, über der bereits geräumten Rasenfläche schwebt, und als der Wind stagniert bricht sie wieder zusammen. Ein majestäticher Augenblick, der das Ende des Tages irgendwie weniger bedrückend macht.

“Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten” singt Rio Reiser, und ich frage mich ernstlich, wer auf diesen Müll gekommen ist. Wie seit jeher irgendwelche Spinner das bevorstehen der Weltrevolution, das Ende des Kapitalismus vorhersagen, wenn er so gut wie immer im Sattel sitzt. Ach ja, der Spruch ist von Mao, no offence folks, aber ich kann nur sagen Arschloch.

Kränklich zuhause, da sitze ich und kritzele diese halb intellektuellen Entgleisungen in den Block. Brauche ein bisschen Ruhe, Zeit für mich. Ich glaube, ich muss gleichgültiger werden. Eine Plastiktüte.

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Untitled

Ich liebe den Frühling. Die warme Nachmittagssonne auf meiner Haut, Trentemöller in den Ohren und ein hübscher Arsch in kurzen Hosen vor mir. Als sich nach ein, zwei Minuten unser Wege wieder trennen, frage ich mich ernsthaft, ob ich nicht weiter hinterher soll, einfach weil ich sie gerne gehen sehe. “Creep”, denke ich über mich selbst. Aber was solls.

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Abschied

Der Bus zum Flughafen ist ziemlich voll, mein Kopf fühlt sich leer an: Wie der leicht getrübte Himmel, ein still stehendes Windkraftwerk in der nüchternen Klarheit des Morgens. Ich habe Brombeere gerade stehen lassen, an der Omnibushaltestelle Erdberg. Muss wieder zurück, das hilft alles nichts.

Die letzte Woche war viel zu wundervoll, als das ich überhaupt an schreiben gedacht hätte. Zu viel von dieser immer wieder erstaunlichen Nähe, dieser einzigen Umarmung. Erst jetzt, als ich nach zehn Tagen wieder auf dem Heimweg bin, gerade erst langsam zu realisieren, dass ich den mir liebsten Menschen erst in zwei Monaten wiedersehe; die Erkenntnis steigt wie tintenschwarzes Wasser langsam in mir auf, sie ist weder kalt noch warm, die Hand streckt sich aus, etwas krampfig, tastet, findet: Greift zum Stift.

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Frühling

Der Boden ist noch kalt, aber ich liege in der Wiese, im Green, die Sonne im Gesicht, stocknüchtern. Der Fluss rauchst vorbei nach tagelangem Regen und Schnee, Richtung Atlantik. Sauglücklich. Sollte am Wochenende ans Meer fahren, oder ans Wasser.

Ich stehe auf Mädels. Das ist mir irgendwann zwischen Sonntag und jetzt gerade klar geworden. Die werden immer erste Wahl sein. Ich stehe zu sehr auf Titten, auf Nippel, auf Ärsche ohne Haare. Den Typen zu küssen war spaßig, getting off und so, aber es hinterließ keine bleibende Erinnerung. Hat mir nicht mal ansatzweise so den Kopf verrissen, wie das Mädels für gewöhnlich tun. Ich denke immer noch an die Lächlerin. Aber hier in der Sonne, “right here, right now“¹ im Kopfhörer, hätte ich am liebsten dich.

Es wird langsam kühl. Mal sehen, ob ich irgendwo draußen ein Bier bekommen kann.

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¹ Fatboy Slim – Right Here, Right Now

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heute Nacht

Habe den Tag gerade mit Skype-Sex und Mr. Oizo begonnen. Dann wollte ich einkaufen, hab aber auf dem Weg entschieden, erst ins Pub zu gehen. Pint zum Frühstück, um zehn nach vier, passt.

Heute könnte ein guter Tag werden, nein, eher eine gute Nacht. Spannung und Vorfreude durchziehen mich, wie winzige Spinnen aus Niedrigspannung auf meiner Haut. Das vermischte Geschnatter von Alten, die hier früh zu Abend essen und Jungen, die nach Schule oder Uni auf einen Drink gehen, wirkt irgendwie stimulierend. Also raus, Mukke, Kippe, Tunnelblick, den Weg finden für heute Nacht.

 

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