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Reiseerinnerung

Ich kann das Torffeuer riechen, als stünde ich an dem Ort, an den ich gerade denke, kann den Hund bellen hören, vor dem du dich immer so gefürchtet hast. Kann unser absurdes Zimmer in diesem absurden Hostel vor meinen Augen sehen, deinen klatschnassen Körper, wie meinen ebenso klatschnassen Körper umarmt, deinen Kuss auf meinen Lippen…

Und ich kann die Musiker im Pub spielen hören, die leicht verstimmten Geigen improvisieren, den hinkenden Alten singen, paddy’s green shamrock shore. Ich denke an dich, und an den friedlichsten Ort, den ich je gefunden habe, in den ich mich verliebt habe, wie in dich, eigentlich auf den ersten näheren Blick, not at first sight, but almost. Und ich denke ans nacktbaden an diesem einsamen Strand auf South Uist, weißer Sand und türkisblaues Wasser, zu ficken in der eiskalten Nordsee.

Unfassbar, wie die Zeit vergeht: Fast vier Jahre du und ich, wir beide. Unfassbar, wie sich Dinge verändern, Rahmenbedingungen, Wohnorte, Lebensweisen, aber das zwischen uns das bleibt. Du bist weit weg, das macht mich manchmal traurig, manchmal wütend, hilflos. Du an meiner Seite, das währe schöner.

Und ich erinnere mich an die alte Frau, ebenda, in diesem wunderschönen Dorf in Donegal, die sagte: “Everybody needs something to dream of.”

Wie wahr.

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verliebt

Schon komisch. Hab die letzten Tage, erfreulicherweise, mit Bier in der Sonne verbracht. Da ist es schon komisch, wenn man mit seinen Kumpels abhängt, und man sich doch irgendwie alleine fühlt, weil alle zu zweit sind. Heut hab ich endlich mal Rapiers Freundin Judith kennen gelernt. Nettes Mädel. Aber das lässt mich nur noch mehr realisieren, das die Frau meiner Träume scheiße weit weg wohnt. Dumm gelaufen. Gehe jetzt weg, mit der Hoffnung auf einen Aufriss. Klappt aber eh nicht, glaub ich.

Klappt auch nicht, jetzt bin ich wieder zuhause  und kann das sagen. Ich vermute, dass auch andere so dermaßen verliebt waren, das es garnicht mehr hilft.

Auf dem Heimweg finde ich einen Hauseingang, da sitze ich und heule, wie schon lange nicht mehr. Hilflos. Völlig. Diese ganze happy couple Atmosphäre, die latente Sexualität und meine Unfähigkeit, an diesem doch relativ zwanglosen studentischen Paarungsritual teilzunehmen, macht mich nur noch fertig. Scheiß die Wand an, aber wenigstens weiß Dusty Springfield wie ich mich fühle. If you go away on a summerday, you might as well take the sun away. Eins macht mich allerdings glücklicher als alles andere, auch wenn ich immer immer noch  weine, als ich dies schreibe: Das steht auch für dich nicht zur Debatte. Die Worte, mit denen ich dich um halb fünf deiner Zeit, völlig aufgelöst, aus dem Bett geholt habe, haben noch nie so viel bedeutet wie in diesem Augenblick. Ich liebe dich.

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Abschied

Der Bus zum Flughafen ist ziemlich voll, mein Kopf fühlt sich leer an: Wie der leicht getrübte Himmel, ein still stehendes Windkraftwerk in der nüchternen Klarheit des Morgens. Ich habe Brombeere gerade stehen lassen, an der Omnibushaltestelle Erdberg. Muss wieder zurück, das hilft alles nichts.

Die letzte Woche war viel zu wundervoll, als das ich überhaupt an schreiben gedacht hätte. Zu viel von dieser immer wieder erstaunlichen Nähe, dieser einzigen Umarmung. Erst jetzt, als ich nach zehn Tagen wieder auf dem Heimweg bin, gerade erst langsam zu realisieren, dass ich den mir liebsten Menschen erst in zwei Monaten wiedersehe; die Erkenntnis steigt wie tintenschwarzes Wasser langsam in mir auf, sie ist weder kalt noch warm, die Hand streckt sich aus, etwas krampfig, tastet, findet: Greift zum Stift.

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dramatische Musik

Kein Geld, keine Drogen, keine Freunde, kein Sex, kein Knistern, keine Schmetterlinge. Ich weiß, das geht vorbei. Das hat ausnahmsweise mal nichts mit hoffen zu tun. Aber wenn es dem  echten Leben an etwas fehlt, dann ist es die dramatische Musik.¹

Also abstumpfen, saufen, was es zu saufen gibt. Eine Flasche Basic, ist sicher nicht genug um besoffen zu werden. Gras schnorren währe auch eine Option. Getan, zwei, drei Tüten mit Al und Rapier, dann wieder zu mir, wo die Melancholie wie hässlich-zäher Nebel kniehoch im Zimmer steht.

Wenn man sich derart Zwanghaft an den Strohhalm Rausch klammert, dass man den letzten Rest pisswarmen Gin mit Wasser mischt, um ihn irgendwie runter zu würgen, ist es Zeit für Selbstreflexion.

Der Schmerz verschwindet nie ganz. Er kommt mit dem Ausnüchtern zurück, manchmal sogar noch schneller, der Schmerz von dir getrennt zu sein. Es hilft auch nichts, dass wir den Real-Life-Status unserer Beziehung zu “offen” geändert habe, obwohl ich das ja wollte, darauf gedrängt habe. Nur noch mehr Zweifel, Heimweh.

Wieso bin ich so ein Versager, verängstigt und zu tiefst fasziniert von fremden Frauen, unfähig den ersten Stritt zu machen? Gefangen in einem Netz aus Selbstzweifeln und irrealen Vorstellungen, wie Mann politisch korrekt jemanden aufreißt. Ich weiß es nicht. Aber ich will das durchziehen und ich ich brauche dich.

Und es fehlt die dramatische Musik.

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¹ Fanny van Dannen – Dramatische Musik

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zu gut

Die Gedanken rasen. Was, wenn die letzten 24 Stunden etwas zu gut waren? Betäubt und glücklich, aber wie immer zweifle ich. Fuck it!

Gestern so gegen halb zehn los, Brombeere abholen. Nach zwölf sind wir wieder im Wohnheim, happy, sie ist zum ersten mal hier. Dann wieder zweifeln, ob alles passt: Ob unsere Männer-Zweck-WG nicht viel zu grintig ist. Ob ich zu aufdringlich bin, zu geil, zu grob im Bett. Ob sie meine Leute hier leiden kann. Ob sie findet, das mein Leben zu abgefuckt ist, zu dependant.

Aber alles passt. Alles in Ordnung, alles wunderschön. Und ich kann es einfach nicht fassen. Bin ich so ein pessimistischer Vollidiot, dass ich glaube, das Leben hielte nichts Gutes bereit, keine großen Momente? Ich bin auf jeden Fall arrogant genug, mich zu fragen, ob das hier auch einer von diesen Momenten ist, diesen großen. Scheiße, Mann! Es fühlt sich gut an, das ist was zählt. Verdammt gut. Nimm was du kriegen kannst, und behalte jeden Moment.

Und so sitze ich hier, zweifelnd an meinem offensichtlichen Glück.Vollidiot! Stoned, ein paar Drinks, und eine wunderschöne Frau neben mir im Bett, die ich liebe. Da kann ich auf den Bass verzichten.

Und ich lächele und ich lächele und ich lächele.

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Zuhause

Ich bin immer wieder unschlüssig, wie sich so viele Menschen so gut mit dem falschen Ganzen arrangieren können? Und ist das tatsächlich noch unsinniger als von Revolution zu sprechen? Eins ist jedoch klar: Geld ist einfach kotze, zumindest wenn man nicht damit umgehen hat, chronisch zu wenig hat und auf Rausch steht. Unfassbar, der selbe Stress, die Miete zu bezahlen wie letztes Monat, aber weniger davon.

Uni passt, aber es gibt gerade Ärger wegen Anwesenheit. Nicht nur für mich, für fast alle. Ganz aufgefüllt vor Vorfreude, weil Brombeere kommt am Wochenende. Einfach mal wieder mit ihr feiern, vögeln, Nähe. Zu Hause sein. Das hat bei mir nichts mit einem Ort zu tun. Die Uhr hatte zwölf Zeiger, aber keine Zahlen. Ist Zuhause nicht bei der Familie, den Leuten, die man am längsten kennt, die einzigen Menschen, die man mögen, lieben muss, obwohl es die Einzigen sind, die man sich nicht aussuchen kann? Ich habe noch nie “ich liebe dich” zu irgend einem Angehörigen meiner Familie gesagt. Sie auch nicht zu mir. Vielleicht liegt es daran, das Zuhause heißt: Bei dir.

Ich muss mir wohl einen Job suchen. Ich habe aber echt keinen Bock, mich für £4,80 beim McDonalds hinter die Theke zu stellen. Aber darauf wird es wohl rauslaufen.

Ich bin immer noch nicht sicher, ob es mir hier wirklich gefällt. Die Leute sind zwar nett und alles, aber ich kann nicht aufhören, alles mit Zuhause zu vergleichen, nicht Zuhause, back home. Bin ich derart engstirnig, derart xenophob? Aber ich kann einfach nicht aufhören. Ich vermisse aber auch einiges, Leberkäse, Weedpreise, deutsch sprechen,  meine Atzen aus K., Brombeere. Aber ich muss mich wohl damit arrangieren, das das grade nicht drinnen ist. Ich vermisse back home. Aber Zuhause kommt ja morgen. Wundervoll.

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