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Afterhour

Im Gegenlicht sieht Fela noch besser viel besser aus als sonst. Sie lächelt, sagt nichts und geht vorbei. Nichts als rotblonde Locken und Frühlingssonne. Manche Menschen werden immer ein Geheimnis bleiben.

Ich denke an dich. Noch einmal schlafen.

Dienstag hat mir irgendwie krass den Kopf zerhauen. Das ganze hat eher langsam angefangen, aber wenn man mit Rapier unterwegs ist, hängt konstant der Geruch von toten Hirnzellen in der Luft, wie brennender Gummi. Ein Liter Schnaps für uns beide und Maggie, das ist schnell gesoffen und alle ganz gut dicht. Dann Richtung Sub, das Mädel vom Nasenbruch ist auch wieder da. Echt absurd, dass ich sie fast jedes Mal beim feiern treffe. Sind dann nach einem echt geilen Set von SKisM mit Maggie’s Cousin und noch einem Typen in ein Taxi gestiegen und zu irgend einer Afterhour sonstwo gefahren.

War ein ganz schönes Drogenloch dort, locker zwei, drei Gramm Ketamin auf dem Küchentisch, und auf die Frage, ob irgendjemand Teile hat, gibt’s die trockene Antwort “Ich, so ungefähr 200. Wie viele willst du?”. Also 8 Stück für £20 , echt billig, für Maggie, Rapier und mich.

Der Rest des Abends ist nichts als euphorisches Nichts, gefangen sein im eigenen Körper, und amüsiert, nein, hoch erfreut darüber, während der Teil meines Hirns, der für Logik und Zahlen zuständig ist, um sich selbst rotiert, im Leerlauf, mit durchgetretenem Gaspedal. Irgendwie schaffen wir es heim, den ganzen Tag knülle, kiffen noch gut ein, um irgendwie runter zu kommen. Übel.

Ziemlich surreal, das ich hier sitze und schreibe, nach einer weiteren durchgemachten Nacht, diesmal nur Alk und Gras, am Flughafen, mit einem Pint, um fünf Uhr morgens. Ein Gefühl im Bauch, das besser ist als alles an das ich mich vom letzten Exzess noch erinnere:

Es ist Vorfreude.

 

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carried away

Eigentlich wollte ich nur ein längeres Lautsprecherkabel kaufen. So hat es angefangen. Und noch zu News and Gadgets, wegen Longpapers. Al begleitet mich. Dann noch die anderen in irgendeinem Pub treffen. The Goose heißt der Laden. Union Street. Die schon bei Burger und Bier. Also dazu. Mein erstes Bier seit ich nicht mehr in Deutschland bin, bestelle auch einen Burger. Irgendwann weiß keiner mehr wie viel er schon hatte, außer Rapier, der bezahlt. Zumindest für Maggie und Churchill. Wir führen Gespräche über den desolaten Zustand der Welt in der wir leben sollen. Churchill ist überraschender weise begeistert von meinem Geschwätz vom Cyberkommunismus. Und ich dachte er währe so ein neo-liberaler Wichser. Fein, sowas.

So gegen 9: pleite und gut tipsy. Jetzt nach Hause. Joint rauchen, chillen, meinen alle. Aber irgendwie wollten wir’s dann doch noch wissen. In ne andere Bar, Shots 1₤ each. Werden aber nicht bedient, wegen ausländischer Ausweise und Als Fake-ID. Shots sind aber schon geordert, also 7 Stück für Rapier und Maggie. Das mit den Ausweisen passiert hier öfter. Fotzen. Nächster Laden, Revolution. Schnieker Scheißladen, alles irgendwie auf russisch designed, mit pseudo-kyrillischer Schrift und “I love Vodka” an den Wänden. “Far from revolutionary”, meint Al beim rausgehen. Aber echt, ich hasse so was.

Letzte Idee: Flat 0/1, war ich noch nie, wollte aber schon ewig mal hin… Also rein da. Vodka-Mixer 1.50₤, um so besser. Geile Bar, erste Assoziation ist das Altenheimzimmer meiner toten Uroma, dazu läuft Kool and the Gang. Wir hauen uns aufs Bett und lernen zwei Mädels kennen, die eine ist der Wahnsinn. Sie findet mich auch nicht schlecht, glaube ich. Wir labern mit ihr und ihrer Freundin Becky. Sie heißt Theresa, kurz Res. Ab hier wird es merkwürdig. Runden bestellen, Vodka-Cranberry für mich, Als Bruder ist irgendwann dazu gekommen. Er steht auf Becky. Scheißt sich gar nix und verkackt voll.

Raus zum rauchen mit den zwei Mädels. Ein Typ versucht die Absurdität der menschlichen Existenz durch das Zertrümmern einer Paprika zu beweisen, nervt aber bald. Wieder rein, dancen, erst mir Maggie und Rapier, dann mit Res. Scheiße, die kann tanzen. Es geht aber auch bei mir ab wie Sau. Alles sehr funky hier, das geht runter wie heiße Milch mit Honig. Überlege, sie gerade raus zu fragen, ob ich sie küssen darf. Mehr will ich gar nicht. Normal sehe ich Frauen die mir gefallen an und denke an Sex. Sie will ich nur weiter ansehen. Ihre roten Locken gefallen mir, und wie sie im Takt wippen. “Can’t touch this”, Ginger Kid.

Wo sind eigentlich alle? Die sind schon vor Ewigkeiten aufs Klo. Res und ihre Leute packen es. Jetzt fragen! Aber was? Ich weiß ja nicht genau was ich will. Nicht meine Bezieung zu Brombeere versauen. Dieses Mädchen küssen, noch ein bisschen ansehen, tanzen, reden, noch was trinken. Scheiß-Dilemma. Ich ringe mich zu einem Abschiedskuss auf die Backe durch. Sie blickt zu mir auf und lächelt, Glücksflash! Scheiße, so gut habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt, kribbelig. Nochmal winken. Byebye.

Rapier kommt auf mich zugewankt. Faselt von M-Kat*. Scheiße, Ja! Das währe jetzt geil, mehr Liebe, reden, eine Hand halten. Wir verlassen den Laden. Rapier hat schon gut was gezogen auf dem Klo. Wir nehmen die Leute mit dem M-Kat ins Wohnheim, a cheerful lot. Schaffen es irgendwie, an die 20 sympathische Druffies an der Security vom Wohnheim vorbei zu schleusen. Rede aber eigentlich nur mit einem, der heißt Mark, will gerne einen peizen. Also gebaut. Im Kopf bei Res, bei Brombeere, bei Res. Ohne Drogen würde ich echt wahnsinnig. Ich biete Mark den Joint an, als Tausch gegen eine Nase. “Nö”, meint der und ich denke nur, “So ein Arschloch”. Dann drückt er mir etwa ein Gramm Pulver in die Hand und meint, er müsse mal runterkommen, nach drei Tagen. Eine ganze Tüte ist ihm aber zuviel, er will nur anrauchen, ich will gar nicht, er soll das mit Al ausmachen. OK, lovely! Also rein damit und auch für die anderen ne Line. Verrückte Fremde feiern in der Küche, leicht bekleidete Mädels und leicht siffige Typen. Alle drauf wie Epps. “Gute Menschen”, sagt die Droge in meinem Hirn. Irgendwie surreal.

Kennt ihr diese Momente, in denen man einfach weiß, dass die Welt nicht schlecht sein kann. Das es keine Götter und keinen Himmel gibt, alles großartige und liebevolle in der Welt nur eine 5cm lange Linie weißen Pulvers auf der Hülle von Pantera’s “Cowboys from Hell” entfernt ist. Da gebe ich mir gleich noch eine und küsse Rapier. Es fühlt sich gut an. Harmonie, “zu Gast bei Freunden” denke ich merkwürdigerweise. Ein paar Leute aufwecken, sie einfach teilhaben lassen an diesem irren High. Fick dich weg, Melancholie. Freunde, tanzen.

Ich liebe dich, Welt. Ich liebe dich, Brombeere. Und Res? Das was heute lief war genau richtig. Hat mich aus dem beschissenen, selbsterschaffenen Jammertal geholt. Denke bei der letzten Nase noch mal an den Kerl mit der Paprika. Wir alle lachen. Die Welt ist doch wunderbar. Zumindest bis ich wieder runter komme.

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*M-Kat ist die im UK gängigste Bezeichnung für 4MMA, oder Mephedron, einer Designerdroge aus Israel. 4MMA ist ein Amphetamin, und in der Wirkung ähnlich wie MDMA, jedoch meist billiger und reiner, aber mit völlig unbekannten Langzeitwirkung und erst seit Dezember 2009 in der EU illegal.

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